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Lob des Stress

Mein erster Einfall in Sachen Titelfindung war „Die ungleichen Schwestern“. Ich entschied mich jedoch anders. Den Stress zu loben scheint besser geeignet, Aufmerksamkeit zu provozieren, zum anderen klingt die Alternative ein wenig zu sehr nach Märchen, und um ein Märchen handelt es sich hier grad nicht, sondern um eine wahre Geschichte.

Bitterer Enzian
Bitterer Enzian - Nicht so schnell aufgeben!

Von den beiden ungleichen Schwestern war nämlich eine mit einer schweren Krankheit geboren worden, während die andere sich bester Gesundheit erfreute. Die Krankheit machte besondere Vorkehrungen notwendig, die das Leben ihrer Eltern nicht wirklich vereinfachten. Ihr Blutdruck durfte nicht über eine gewisse Höhe steigen, was schlicht bedeutete: das Kind darf sich nicht aufregen. Zumindest nicht ohne gefährliche Folgen für Leib und Leben.

Wie verhindert man, dass ein Kind sich aufregt? Indem man ihm sagt: Um 8 Uhr schlafen gilt nur für deine Schwester? Du hast zwar grad einen Schokoriegel gehabt, aber natürlich bekommst du jetzt noch ein Eis?

Mir ist bis heute schleierhaft, wie ihre Eltern das hinbekommen haben, aus ihr eine gesunde junge Frau werden zu lassen, aber Folgen hat die Sonderbehandlung durchaus nach sich gezogen. Das kleine Mädchen war schließlich nicht dumm. Es hatte schnell raus, was es tun musste, um seinen Willen durchzusetzen. Und so erlebte es trotz seiner Krankheit eine äußerst angenehme Kindheit. Dies jedoch nicht unbedingt zu ihrem Vorteil.

Tatsächlich hatte sie gelernt, dass immer jemand kommt, wenn die Erbsen unter ihrem Prinzessinnenpopo pieksen. Probleme selbstständig zu lösen, wurde zu einer erst nachpubertären Lebenslektion, und es fiel ihr sichtlich schwer, sie so spät noch nachzuholen. Ihre Schwester hingegen hatte mit dem Gefühl, ständig zweite Geige zu spielen, zu kämpfen. Sie jedoch hatte gelernt, sich schwierigen Situationen zu stellen, Rückschläge zu verarbeiten und für das, was ihr lohnend erscheint, zu kämpfen. Als beide die 20 erreicht hatten, war sie der anderen mit der vermeintlich paradiesischen Kindheit weit überlegen, was Lebens- und Überlebensfähigkeit sowie Stressresistenz anbelangte.

Stress kommt so oder so auf einen zu. Vorteilhaft ist es, früh zu lernen, damit umzugehen. Einen Beweis für positive Auswirkungen von Stress fand man im Versuch mit Ratten. Rattenbabys wurden ihren Müttern einige Tage lang jeweils für 15 Minuten weggenommen. Die Kleinen verängstigte das wie zu erwarten, und sie reagierten mit großer Unruhe, ganz wie ihre Mütter auch. Diese kümmerten sich nach der Rückkehr besonders intensiv um sie, fütterten sie, leckten sie ab und sorgten für Wärme und Körperkontakt, sodass sich die Kleinen schnell wieder beruhigten und sich sicher und geborgen fühlen konnten. Ein Jahr später zeigte sich, dass diese Kurzzeitentführten wesentlich robuster, stressresistenter und kreativer bei der Problemlösung waren als ihre Geschwister. Sie hatten die Lektion gelernt, dass man Stress überleben kann, Angst kein Todesurteil und Hilfe für sie da ist, wenn sie gebraucht wird. Das machte sie sicher, selbstbewusst und lebenstüchtig.

In Neuseeland begann man in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit einem nun bereits seit 40 Jahren verfolgten eher simplen Experiment, dass die damals untersuchten Kinder in zwei Gruppen einteilte. Die Mitglieder beider Gruppen wurden über Jahrzehnte befragt, um Aufschluss darüber zu erhalten, wie bestimmte Fähigkeiten den Lebensweg determinieren. Der durchgeführte Test war ganz einfach: man ließ die Kinder an einem Tisch Platz nehmen, auf den man ein Bonbon legte. Nun erklärte man ihnen, sie dürften das Bonbon aufessen, würden aber ein zweites nach Abschluss des Testes erhalten, wenn sie dies nicht täten.

Wenig überraschend griffen einige gleich zu, während andere, wenn auch unter Mühen, lieber abwarteten, um schließlich das zweite Bonbon zusätzlich einzukassieren. Die Ergebnisse dieser Langzeitstudie sind einigermaßen verrückt, da ein kausaler Zusammenhang zwischen Bonbonverzehr im Kindesalter und Lebensqualität im Erwachsenenalter nicht besteht. Und doch sind die Kinder, denen es gelang, der Versuchung zu widerstehen, Jahrzehnte später gesünder als die aus der Vergleichsgruppe, haben stabilere Beziehungen, bessere Jobs, verdienen mehr Geld und beurteilen ihr Leben insgesamt positiver.


Strahlenlose Kamille - Lernen wieder aufzustehen

Man kann auch junge Hunde stressen, wie Wissenschaftler dies versuchsweise taten. Zieht man sie mit der Flasche auf, kann man die Schnulleröffnung so weit fassen, dass die Milch nur so in die kleinen Welpenschnauzen fließt, oder sie so eng machen, dass die Kleinen kräftig daran saugen müssen. Auf diese Weise sind sie entweder mühelos schnell satt oder unter Anstrengung erst später. Entscheidend ist natürlich der Lernerfolg. Macht man es den Welpen schwer und lässt sie am Ende hungern, werden sie frustriert und geben auf. Werden sie aber satt, macht ihnen ein wenig Anstrengung nicht nur nichts aus, sie macht sie sogar stark und schlau, wie Tests ein Jahr nach dem Versuch zu Tage gebracht haben. Ein bisschen Stress kann demnach förderlich sein. Von daher ist es wenig empfehlenswert, allem Stress aus dem Wege zu gehen.

Folglich möchte ich heute das Augenmerk nicht auf die schützenden Blüten lenken wie z.B. die Schafgarben, auch nicht die entstressenden wie Drüsentragendes Springkraut (Impatiens) und Odermennig (Agrimony), sondern auf diejenigen, die uns helfen können, Stress zu bewältigen und daran zu wachsen.