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Liebe und Essenzen - Teil 3

Liebesschmerz und seine Facetten

Gibt es irgendetwas, dass über die Liebe noch nicht gesagt und geschrieben wurde?

Klatschmohn

Am 14. Februar 269 wurde ein gewisser Valentin von Terni enthauptet. Er soll als Bischof Paare trotz Verbots des Kaisers vermählt haben. Er verlor im Wortsinne seinen Kopf wegen der Liebe. Kein Grund zu feiern.

Es erscheint beinahe deprimierend, dass man den Todestag der Liebe zu ihrem Feiertag erklärte. Auch wenn ich mir sicher bin, dass Fleurop keineswegs derartige Absichten damit verfolgte. Bei all der Kommerzialisierung der Liebe, mag man geneigt sein, dem amerikanischen Anarchisten Jerry Rubin zuzustimmen, der betrübt fragte „Wie kann ich sagen, ich liebe dich, nachdem ich hörte, Autos lieben Shell?“

Irgendetwas ist da aus dem Ruder gelaufen, und wenngleich es neben den 80 Millionen Fußball-Bundestrainern etwa ebenso viele Experten in Sachen Liebe gibt, sucht man Kompetenz vergeblich. Stattdessen findet man jede Menge „Ich an deiner Stelle würde...“

Dem Drang, gut gemeinte Empfehlungen zu geben widerstehen wollend, könnte sich dagegen die Umkehr der Liebeskummerfrage lohnen. Was man alles falsch machen kann, dürfte schließlich hinlänglich bekannt sein. Die Frage „Wie lerne ich, es richtig zu machen“ finde ich viel anregender, falsch kann ich schon.

Wenden wir uns den Resultaten des Falschmachens zu. Schauen wir, welche Hilfe aus dem Blütenreich wir nutzen können, um innerlich wieder zu genesen und im beste Falle die Lektion zu begreifen und verarbeiten, die uns die Liebe erteilte, um gestärkt daraus hervor zu gehen.

Doldiger Milchstern

Doldiger Milchstern
Star of Bethlehem - Ornitogalum umbellatum
Für alle Freunde der Bachblüten dürfte die Erwähnung dieser Blüte wohl vorhersehbar sein. Es ist die Erste-Hilfe-Essenz, die man nimmt, wenn das Schicksal soeben zugeschlagen hat, man verletzt ist, ohnmächtig, wütend oder traurig oder alles zugleich. Es ist aus, und man will es nicht wahrhaben, oder andersherum, man hat es selbst beendet und fühlt trotzdem mehr Schmerz als Befreiung. Ohne die Heilung der Gefühle, wie sie Doldiger Milchstern fördern kann, droht ein unangenehmer Zustand, nämlich:



Weide
Willow - Salix vitellina
Man wird verbittert. Weshalb meint das Schicksal es so übel mit mir? Fortdauernder Liebeskummer oder wiederholte Fehlschläge können eine innere Rettungsstrategie initiieren, die nicht ohne Widerhaken zu bekommen ist. Man versucht, sich durch Verleugnung aus der Opferrolle zu winden. Wenn es gar keine Liebe gibt, kann sie einen auch nicht verletzen. Statt sich geschlagen zu geben, fühlt man sich überlegen, denn man durchschaut das ganze armselige Spielchen rund um die Liebe. Kasperltheater, etwas für naive Romantiker, die die Realität scheuen, für verblendete Idealisten, die der Illusion der großen Liebe hinterhertraben wie der Esel der Möhre, wo doch nur Verlogenheit, Eitelkeit und Egoismus herrschen. Das Leben ist hart, und wer das nicht begreift, der soll nur weiter versuchen, sich an seine Träume zu klammern. Wird schon sehen, was er davon hat. Der erwähnte Widerhaken besteht in der Selbsterhöhung. Man mag nicht der Verlierer sein, viel lieber sich überlegen fühlen. Man selbst ist derjenige, der alles durchschaut. Das Gewimmel des Gewürms ist geradezu grotesk. Mit anderen Worten: man selbst nimmt sich jede Möglichkeit, wieder Liebe erfahren zu können. Andernfalls müsste das Gewürm im Recht und die eigene Überlegenheit die Illusion sein. Ein Double-Bind, eine Doppelbindung: die eigene Verletzung ist mit dem Gefühl der Überlegenheit verknüpft, die Erfahrung der Liebe mit dem des Zusammenbruchs des eigenen Weltbilds. Man kann nur verlieren. Man kann sich nur entweder weiter überlegen fühlen, was mit dem Verzicht auf das Prickeln im Herzen einhergeht - oder man kann sich verlieben, was zur Vernichtung des bisherigen Ichs führt.