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Die Sache mit dem Multitasking

Viele Leute denken ja heutzutage, das Gehirn sei ein Computer. Stimmt zwar nicht, macht aber nichts, die Analogie wird dennoch gern verwendet. So fand auch der Ausdruck des Multitaskings den Weg aus der Computerwelt in die menschliche, und die meisten glauben auch noch, das sei etwas Positives. Was ich in Frage stellen möchte.

Work
Work - Renanthopsis Mildred Jameson

Tatsächlich ist es etwas komplett normales und alltägliches. Ja, es ist so gut wie unmöglich, nicht zu multitasken. Ich kann wohl auf dem Stuhl sitzen. Gleichzeitig wollen meine Augen aber gucken, meine Nase riechen, meine Ohren hören. Am schwierigsten ist es, das Atmen einzustellen. Es stellt sich heraus: man tut immer mehrere Dinge zugleich, und viel schwieriger als Multitasking ist, nur eines zu tun.

Selbst beim Meditieren gebe ich meinem Hirn noch Futter, damit es nicht umherschweift und sich womöglich in irgendwelche unangenehmen Themen verbeißt. Ich lass es meine Atemzüge zählen. Nicht dass das irgendeinen Sinn ergebe, es ist mir völlig schnuppe, wie oft ich während der Meditation atme. Hauptsache mein Hirn hat was zu tun und stört mich nicht weiter. Was es gelegentlich aber doch tut. Kürzlich ertappte ich mich bei irgendwelchen unnützen Gedanken, während ich weiter gezählt hatte. Ich war kein bisschen stolz auf mein grandioses Multitasking.

Nachdem nun Wissenschaftler festgestellt haben, dass man viel schneller fertig ist, wenn man eine Aufgabe nach der anderen erledigt, statt zu versuchen, sie alle gleichzeitig zu bewältigen, scheint der Zauber des Allesgleichzeitigtuns verflogen.

Endlich Raum fürs Unitasking (wenn man mal meine obige Haarspalterei mit dem Sitzen und Gucken und Atmen außer Acht lässt). Sich ganz auf eine Sache konzentrieren, das ist es. Das geht am leichtesten, wenn man von ihr fasziniert ist.

work

Work - Renanthopsis Mildred Jameson
Diese Orchidee hilft, den Sinn im Profanen zu finden, das Einfache ebenso schätzen zu lernen wie das Hochentwickelte. Dem Alltäglichen auf die Schliche zu kommen, die Langeweile auszutricksen. Das Tun gibt unserem Leben seinen Wert. Und sei es, dieselbe Schraube wieder und wieder festzuziehen. Sicher macht es keinen Spaß, sicher lässt man sich gerne ablenken von Interessanterem, und nur allzu oft wird man nachlässig, weil es anstrengend ist, bei eintönigen Aktivitäten die Konzentration hochzuhalten.

Work ist die Blüte der positiven Einstellung zum Arbeiten. Eine, die ödes Tun zur Meditation werden lässt. Eine, die einen anstößt, die Augen zu öffnen und den größeren Zusammenhang zu sehen. Ja, eine, die selbst Leben retten könnte. Menschen in aussichtslosen Lagen sterben oder sie tun etwas. Es gibt Berichte von Gefangenen, die sich damit beschäftigten, die Ecken der Steine ihrer Zellen zu zählen, um nicht durchzudrehen. Work als Essenz hilft, sein Handeln zu verändern, wenn es keinen Sinn ergibt, oder ihm einen Sinn zu verleihen. So oder so: man kann nur gewinnen.