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Das innere Kind ein Erstgeborenes?

Das Älteste ist der Verteidiger, der Bewahrer des Status quo, konservativ, durchsetzungsfähig und machtbewusst. Wenn die Jüngeren auf dem Gebiet des Ältesten zu konkurrieren versuchen, werden sie allzeit unterlegen sein - zumindest fühlt es sich so für sie an. So suchen sie sich freie Nischen. Sie wollen nicht auf dem ureigenen Gebiet der Größeren mit diesen verglichen werden. Das fiele doch nur zu ihrem Nachteil aus. Auf anderen Gebieten kann man sich profilieren, ohne im Vergleichstest abzuschmieren. Solche Entscheidungen treffen Kinder nicht bewusst, sondern instinktiv. Keine Überraschung also, dass, wo im oben vorgestellten Beispiel der erstgeborene Junge das Feld »Intellekt« bereits besetzt hatte, seine Schwester sich ein anderes Feld suchte, das ihr erfolgversprechender schien. Die drei Schuljahre Vorsprung ihres Bruders konnte sie beim besten Willen nicht aufholen.

Ähnlich verhält es sich im Sozialverhalten. Die Nummer 1 bekommt die gewünschte Aufmerksamkeit wenigstens eine Zeitlang exklusiv. Nummer 2 hat keine Chance auf Exklusivität. Der Älteste dominiert aus Selbstverständlichkeit. Nachkömmlinge, die ihm dies Vorrecht streitig machen, werden auch schon mal verhauen. Sich da auf körperliche Auseinandersetzungen einzulassen, verspricht den Kleineren wenig Erfolg. Sie versuchen es daher eher mit Diplomatie, ziehen den Stärkeren auf ihre Seite, lernen Kompromisse zu machen und Auseinandersetzungen mit anderen Mitteln als Körperkraft und Dominanz zu führen.

Während die Ältesten im Familiengefüge früh Verantwortung übernehmen müssen, für ihre jüngeren Geschwister nämlich, gehen diese gerne über Tisch und Bänke. Aus dieser Sozialisation gehen dominante Konservative mit Führungsanspruch und Durchsetzungsvermögen und gewitzte Rebellen mit strategischen Fähigkeiten und solchen zur Kooperation hervor.
Kennen Sie einen erstgeborenen Klassenkasper?

Kurzum: Erstgeborene haben eine Tendenz zu Dominanz, Aggression, Ehrgeiz, Eifersucht und Konservativismus. Später Geborene neigen zu Kooperation, Flexibilität, Kreativität und Unkonventionalität, aber auch zu Rebellion. (Ohne Gewähr und ganz sicher ohne 100%igkeit)

Sonnenblume

Archetypische Prinzipien findet man nicht nur in Individuen sondern auch in Gruppen und Organisationen. Ein Blick auf den Balken im eigenen Auge macht dies deutlich. Bezeichnen wir Edward Bach als Vater der Blütentherapie, könnten nachfolgende Essenzenhersteller als seine Kinder betrachtet werden (zumindest seine geistigen, denn so gut wie alle mir bekannten Hersteller beziehen sich auf ihn). Das Erstgeborene, nennen wir es Bach Centre, war 30 Jahre lang allein, bevor sich konkurrierenden Geschwister hinzugesellten. Die Reaktion war überaus typisch für Erstgeborene: den Nachkömmlingen wurde Nachahmerei bis Verfälschung der reinen Lehrer unterstellt. Es gäbe keine weiteren heilsamen Blütenessenzen, wurde behauptet und dieser Standpunkt auf juristischem Wege versucht durchzusetzen. Der Name Edward Bachs und der Bachblüten sollte geschützt werden. Die jüngeren Blütenhersteller mit dem rebellischen Ansatz, es müsse doch auch außerhalb Englands heilsames zu finden sein, dagegen versuchten sich in Diplomatie, baten um Unterstützung und luden zu den internationalen Blütenessenzenkonferenzen ein, die ab Ende der 80er Jahre in verschiedenen Ländern abgehalten wurden. Doch die Eingeladenen kamen nicht. Erst 2006 konnte man erstmals Vertreter der Traditionalisten und der Erneuerer an selben Konferenzort antreffen.
Erkennt man solche Züge beim Klienten oder sich selbst, lohnt sich ein Überdenken der getroffenen Essenzenwahl.